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Die ISO 9001, der weltweit führende Standard für Qualitätsmanagementsysteme, steht vor einer bedeutenden Weiterentwicklung. Nachdem das Technische Komitee ISO/TC 176 SC 2 bereits im Sommer 2023 eine Überarbeitung der aktuellen Version ISO 9001:2015 beschlossen hat, nimmt die Revision nun konkrete Formen an. Die Veröffentlichung der neuen ISO 9001:2026 ist für September 2026 geplant – mit einer dreijährigen Übergangsfrist bis 2029.
Doch was erwartet Unternehmen wirklich? Welche Änderungen sind zu erwarten, und wie kann man sich optimal auf die neue Norm vorbereiten?
1. Warum eine Revision notwendig ist
Die ISO 9001 ist seit 1987 das Fundament für modernes Qualitätsmanagement. Weltweit sind über eine Million Organisationen zertifiziert – von kleinen Dienstleistern bis zu globalen Konzernen.
Doch die Rahmenbedingungen haben sich gewandelt: Nachhaltigkeit, ethisches Handeln, Digitalisierung und komplexe Lieferketten prägen heute das operative Umfeld.
Die Revision 2026 reagiert auf diese Veränderungen. Ihr Ziel:
- die ISO 9001 aktuell, praxisnah und zukunftsfähig zu halten,
- neue Managementansätze zu integrieren und
- die Verknüpfung mit anderen ISO-Normen – etwa ISO 14001 (Umweltmanagement) oder ISO 45001 (Arbeitsschutz) – zu stärken.
2. Die wichtigsten Neuerungen der ISO 9001:2026
Die Überarbeitung bringt keine Revolution, sondern eine kontrollierte Evolution.
Im Kern bleibt die Struktur der Norm bestehen – sie wird lediglich durch neue Themenfelder und präzisere Formulierungen erweitert.
🔹 Nachhaltigkeit und Klimawandel als feste Bestandteile
Bereits 2024 hat die ISO den Aspekt Klimawandel offiziell in den bestehenden Standard aufgenommen. Diese Ergänzung – die die Bedeutung von Umwelt- und Nachhaltigkeitseinflüssen im Qualitätsmanagement unterstreicht – wird nun vollständig in die neue ISO 9001:2026 integriert.
Unternehmen sind künftig gefordert,
- die Auswirkungen des Klimawandels auf ihr Umfeld und ihre Prozesse systematisch zu bewerten,
- daraus entstehende Risiken und Chancen zu identifizieren und
- gezielte Maßnahmen abzuleiten – etwa zur Reduktion von Energieverbrauch, Emissionen oder Materialeinsatz.
Damit wird Nachhaltigkeit zu einem zentralen Bestandteil des Qualitätsmanagements. Besonders für Branchen mit komplexen Lieferketten oder CO₂-relevanten Prozessen gewinnt dieses Thema stark an Bedeutung.
🔹 Erweiterte Führungsverantwortung
Die Rolle der obersten Leitung wird stärker betont.
Führungskräfte sollen künftig sichtbar eine Qualitätskultur und ethisches Verhalten fördern.
Neu ist der explizite Bezug auf „Kultur und Ethik der Organisation“, die sich durch Werte, Überzeugungen, Geschichte und beobachtete Verhaltensweisen zeigen soll.
Kurz gesagt: Qualität ist nicht länger nur eine Frage von Prozessen – sie ist Ausdruck von Haltung und Führungsstil.
🔹 Strategische Verankerung der Qualitätskultur
Qualität wird zunehmend als Bestandteil der Unternehmensstrategie und -identität verstanden.
Das Qualitätsmanagementsystem soll künftig stärker mit Vision, Leitbild und strategischer Ausrichtung verknüpft werden.
Dadurch dient es nicht nur der Prozesssicherheit, sondern auch der Weiterentwicklung der Organisation selbst.
🔹 Schärfung des Risiko- und Chancenmanagements
Der überarbeitete Abschnitt 6.1 wird in Unterabschnitte gegliedert, um eine klare Trennung zwischen Risikobewältigung und Chancenmanagement zu ermöglichen.
Das Ziel: Eine systematischere Planung und messbare Wirksamkeit von Verbesserungsmaßnahmen.
🔹 Bewusstsein für Qualität und Ethik
Eine neue Anforderung in Abschnitt 7.3 verpflichtet Organisationen, das Bewusstsein aller Mitarbeitenden für Qualität, Integrität und ethisches Verhalten zu fördern.
Das bedeutet: Qualitätsmanagement wird zum gemeinsamen Wertegerüst, nicht nur zur Managementpflicht.
3. Der Zeitplan zur Revision
Die Arbeit an der ISO 9001:2026 läuft nach einem mehrstufigen internationalen Prozess ab:
| Phase | Bezeichnung | Beschreibung |
| WD | Working Draft | Interner Arbeitstext im Gremium |
| CD | Committee Draft | Erste inhaltliche Entwürfe zur Kommentierung |
| DIS | Draft International Standard | Öffentliche Kommentierungsphase |
| FDIS | Final Draft International Standard | Redaktionelle Endfassung |
| IS | International Standard | Veröffentlichung der endgültigen Norm |
Nach aktuellem Stand wurde der DIS-Entwurf im August 2025 veröffentlicht.
Die finale Veröffentlichung soll im September 2026 erfolgen; die Übergangszeit zur Umstellung läuft voraussichtlich bis September 2029.
4. Was Unternehmen jetzt tun sollten
Die kommenden Jahre bieten die beste Gelegenheit, die eigenen Prozesse zu analysieren und weiterzuentwickeln.
Statt auf die neue Norm zu warten, empfiehlt sich ein proaktiver Ansatz:
- Bestehendes QM-System überprüfen:
Führen Sie eine Gap-Analyse durch. Wo bestehen Verbesserungspotenziale? - Nachhaltigkeit prüfen:
Welche klimarelevanten Aspekte berühren Ihre Produkte, Dienstleistungen oder Prozesse? - Führungsverhalten reflektieren:
Fördern Führungskräfte bereits aktiv eine Qualitätskultur? - Mitarbeitende einbinden:
Sensibilisieren Sie Ihr Team für Werte, Ethik und Qualitätsbewusstsein. - Systemintegration vorbereiten:
Wenn Sie auch über Umwelt-, Energie- oder Arbeitsschutzsysteme verfügen, planen Sie jetzt die Harmonisierung auf die neue Harmonized Structure (HS).
Organisationen, die heute schon nach ISO 9001:2015 arbeiten, haben eine solide Ausgangsbasis – die kommende Revision wird evolutionär, nicht disruptiv.
5. Chancen im Wandel – Qualität als Zukunftsthema
Die Revision der ISO 9001 ist kein bürokratisches Update, sondern eine strategische Gelegenheit:
Sie unterstützt Unternehmen dabei, Qualität, Nachhaltigkeit und Unternehmenskultur stärker miteinander zu verzahnen.
Ein gelebtes Qualitätsmanagement mit ethischer und nachhaltiger Prägung wird künftig nicht nur Zertifikatsvoraussetzung sein, sondern entscheidender Wettbewerbsfaktor – in Kundenbeziehungen, Ausschreibungen und Employer Branding.
Fazit: Frühe Vorbereitung schafft Vorsprung
Die neue ISO 9001:2026 ist mehr als ein überarbeitetes Regelwerk.
Sie ist ein Werkzeug zur Zukunftssicherung: Sie schärft Bewusstsein, Verantwortung und Nachhaltigkeit im unternehmerischen Handeln.
Wer sein Qualitätsmanagement jetzt strategisch weiterentwickelt, schafft ideale Voraussetzungen, um die Umstellung 2026–2029 reibungslos und wirksam zu gestalten.
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