Warum Stressprävention Chefsache ist
Begriffe verstehen – Gesundheit fördern
Wenn wir über „Stress am Arbeitsplatz“ sprechen, fallen oft viele Schlagworte: Zeitdruck, Überlastung, Konflikte. Doch im Arbeitsschutz sprechen wir präziser von psychischer Belastung – und diese ist nicht automatisch etwas Negatives. Entscheidend ist, wie wir mit ihr umgehen und ob sie dauerhaft zu einer gesundheitlich riskanten Beanspruchung führt.
Was bedeutet „psychische Belastung“ überhaupt?
Der Begriff ist in der DIN EN ISO 10075 klar definiert:
„Psychische Belastung ist die Gesamtheit aller erfassbaren Einflüsse, die von außen auf den Menschen zukommen und psychisch auf ihn einwirken.“
Das heißt: Jede Aufgabe, jeder Kundenkontakt, jede Projektbesprechung stellt eine psychische Belastung dar – sie kann positiv (anregend, motivierend) oder negativ (ermüdend, erschöpfend) wirken.
Belastung vs. Beanspruchung – der entscheidende Unterschied
– Belastung = Die Einwirkung von außen (z. B. hohe Arbeitsmenge, Lärm, Schichtarbeit, Konflikte)
– Beanspruchung = Die individuelle Reaktion darauf (z. B. Erschöpfung, Konzentrationsprobleme, Gereiztheit)
Zwei Menschen können also unter den gleichen Bedingungen arbeiten – und ganz unterschiedlich reagieren. Das hängt von Erfahrung, Fähigkeiten, Tagesform und Ressourcen ab.
Gesetzliche Grundlagen: Mehr als ein „Nice-to-have“
Das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) verpflichtet Arbeitgeber in § 5 zur Gefährdungsbeurteilung – und ausdrücklich auch zur Erfassung psychischer Belastungen. Das bedeutet: Unternehmen müssen regelmäßig prüfen, ob Arbeitsbedingungen so gestaltet sind, dass keine gesundheitlichen Risiken entstehen – körperlich wie psychisch.
Typische Methoden sind:
– Mitarbeiterbefragungen
– Moderierte Workshops
– Beobachtungsinterviews
– Analyse von Kennzahlen (Fehlzeiten, Fluktuation)
Wichtige Belastungsfaktoren im Arbeitsalltag
In Büro-Umgebungen sind es oft:
– Dauerhafte Erreichbarkeit
– Hohe Meeting-Dichte
– Unklare Prioritäten
– Unterbrechungen und Multitasking
In Produktion & Handwerk häufig:
– Zeitdruck in der Fertigung
– Schicht- und Nachtarbeit
– Lärm, Hitze oder Kälte
– Mangelnde Pausenmöglichkeiten
Psychische Belastung im Kontext von BGM & Arbeitsschutz
Psychische Belastung ist ein fester Bestandteil des ganzheitlichen Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM). Ziel ist nicht, jede Belastung zu vermeiden – sondern gesundheitsförderliche Bedingungen zu schaffen, z. B.:
– Klare Kommunikation und Rollen
– Ausreichende Ressourcen für Aufgaben
– Pausenkultur und Erholungsmöglichkeiten
– Führungskräfte, die Belastungen erkennen und handeln
mib begleitet beim Thema psychische Belastung
Als mib-Team unterstützen wir nicht nur bei den klassischen Arbeitssicherheitsaufgaben. Wir helfen Unternehmen auch dabei, psychische Belastungen zu erkennen, zu bewerten und nachhaltig zu reduzieren – praxisnah und gesetzeskonform.
Ob psychische Gefährdungsbeurteilung, Workshops zu gesunder Führung oder die Integration ins BGM: Wir bringen Wissen, Erfahrung und praxiserprobte Methoden mit.
Fazit
Psychische Belastung am Arbeitsplatz ist unvermeidbar – aber sie muss nicht krank machen. Mit klaren Begriffen, gesetzlichem Rahmen und gezielter Prävention können Unternehmen dafür sorgen, dass Belastung zur gesunden Herausforderung wird – und nicht zum Risiko.
Teaser für den nächsten Beitrag:
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